Biologische und nachhaltige Zutaten kosten normalerweise 15-40% mehr als reguläre Produkte. Viele Restaurantbetreiber möchten umsteigen, wissen aber nicht, wie sich dies auf ihre Lebensmittelkosten und Gewinnmarge auswirkt. In diesem Artikel lernst du Schritt für Schritt, wie du die Auswirkungen nachhaltiger Beschaffung berechnest.
Warum nachhaltige Beschaffung teurer ist
Biologische und nachhaltige Produkte haben höhere Produktionskosten. Kleinere Maßstäbe, strengere Anforderungen und Zertifizierung machen sie teurer. Aber wie viel teurer genau?
- Biologisches Fleisch: 20-50% teurer
- Biologisches Gemüse: 15-30% teurer
- Nachhaltiger Fisch: 10-25% teurer
- Biologische Milchprodukte: 25-40% teurer
⚠️ Hinweis:
Diese Prozentsätze sind Richtwerte. Die Preise unterscheiden sich je nach Lieferant und Jahreszeit. Überprüfe immer die tatsächlichen Preise bei deinem eigenen Lieferanten.
Die Auswirkungen auf deine Lebensmittelkosten berechnen
Um die Kostensteigerung zu berechnen, vergleichst du die alten und neuen Zutatenkosten pro Gericht. Hier ist die Formel:
Kostensteigerung = ((Neue Zutatenkosten - Alte Zutatenkosten) / Alte Zutatenkosten) × 100
? Beispiel: Biologisches Steak
Dein beliebtestes Gericht: Steak mit Gemüse für €32,00 (inkl. 9% MwSt.)
- Alte Zutatenkosten: €9,50
- Biologisches Steak: €6,50 → €9,75 (+50%)
- Biologisches Gemüse: €2,20 → €2,65 (+20%)
- Sonstige Zutaten: €0,80 (unverändert)
Neue Summe: €13,20
Kostensteigerung: ((€13,20 - €9,50) / €9,50) × 100 = 38,9%
Auswirkungen auf dein Lebensmittelkostenanteil
Höhere Kosten bedeuten einen höheren Lebensmittelkostenanteil, es sei denn, du passt deinen Verkaufspreis an. So berechnest du den neuen Lebensmittelkostenanteil:
Neuer Lebensmittelkostenanteil % = (Neue Zutatenkosten / Verkaufspreis ohne MwSt.) × 100
? Beispiel: Auswirkungen auf Lebensmittelkosten
Gleiches Steak, Verkaufspreis bleibt €32,00 (€29,36 ohne MwSt.)
- Alte Lebensmittelkosten: (€9,50 / €29,36) × 100 = 32,4%
- Neue Lebensmittelkosten: (€13,20 / €29,36) × 100 = 45,0%
Unterschied: +12,6 Prozentpunkte
Das ist viel zu hoch. Übliche Lebensmittelkosten liegen zwischen 28-35%.
Neuen Verkaufspreis berechnen
Um deinen gewünschten Lebensmittelkostenanteil zu halten, musst du deinen Verkaufspreis anpassen. Verwende diese Formel:
Neuer Verkaufspreis ohne MwSt. = Neue Zutatenkosten / (Gewünschter Lebensmittelkostenanteil % / 100)
? Beispiel: Preisanpassung
Du möchtest deinen Lebensmittelkostenanteil bei 32% halten mit Zutatenkosten von €13,20
- Mindestpreis ohne MwSt.: €13,20 / 0,32 = €41,25
- Mindestpreis inkl. 9% MwSt.: €41,25 × 1,09 = €44,96
- Gerundet: €45,00
Preiserhöhung: von €32,00 auf €45,00 (+40,6%)
Schrittweise Umstellung in Betracht ziehen
Eine plötzliche Preiserhöhung von 40% kann Gäste abschrecken. Erwäge einen gestaffelten Ansatz:
- Phase 1: Beginne mit einem Signature-Gericht biologisch
- Phase 2: Füge eine 'nachhaltige Speisekarte' neben deiner regulären Karte hinzu
- Phase 3: Stelle vollständig um, wenn Gäste sich daran gewöhnt haben
⚠️ Hinweis:
Teste zunächst mit ein paar Gerichten. Messe die Reaktion der Gäste auf die höheren Preise, bevor du deine ganze Speisekarte umstellst.
Kommunikation mit Gästen
Transparenz über deine Wahl für Nachhaltigkeit hilft, Preiserhöhungen zu rechtfertigen. Erkläre, warum du dich für biologisch oder lokal entscheidest:
- Besserer Geschmack und Qualität
- Unterstützung lokaler Bauern
- Geringere Umweltauswirkungen
- Keine Pestizide oder Antibiotika
? Beispiel: Auswirkungen auf Jahresbasis
Restaurant mit 15.000 Couverts pro Jahr, durchschnittliche Kostensteigerung 25%
- Alte Zutatenkosten pro Jahr: €45.000
- Neue Zutatenkosten pro Jahr: €56.250
- Zusatzkosten: €11.250 pro Jahr
Dies musst du durch höhere Preise oder mehr Volumen ausgleichen.
Digitale Unterstützung beim Umstieg
Das Verwalten von zwei Preislisten (regulär vs. biologisch) und das Durchrechnen verschiedener Szenarien kostet viel Zeit. Ein System wie KitchenNmbrs hilft dir, schnell zu sehen, welche Auswirkungen teurere Zutaten auf deine Lebensmittelkosten und erforderlichen Verkaufspreise haben.
Wie berechnest du die Kostensteigerung bei nachhaltiger Beschaffung?
Inventarisiere aktuelle Zutatenkosten
Erstelle eine Liste aller Zutaten in deinen beliebtesten Gerichten. Notiere die aktuellen Einkaufspreise pro Einheit (pro Kilo, Liter, Stück). Konzentriere dich zunächst auf deine 5 meistverkauften Gerichte.
Fordere Angebote für biologische Alternativen an
Frage bei biologischen Lieferanten Preise für dieselben Produkte an. Beachte: Einige Produkte sind nicht 1:1 austauschbar. Berechne den Preisunterschied pro Zutat in Prozentsätzen.
Berechne neue Kosten pro Gericht
Ersetze in deinen Rezepten die alten Preise durch die neuen biologischen Preise. Addiere alle Zutaten für die neue Gesamtkostpreis pro Portion.
Berechne Auswirkungen auf Lebensmittelkostenanteil
Teile die neuen Zutatenkosten durch deinen aktuellen Verkaufspreis (ohne MwSt.) und multipliziere mit 100. Wenn dies über 35% liegt, musst du deinen Preis anpassen.
Bestimme neue Verkaufspreise
Teile deine neuen Zutatenkosten durch deinen gewünschten Lebensmittelkostenanteil (z.B. 0,30 für 30%). Multipliziere mit 1,09 für den Preis inklusive 9% MwSt.
✨ Pro tip
Beginne deinen Umstieg auf biologisch mit Zutaten, die viel Geschmack bringen, aber wenig kosten, wie Kräuter und Gewürze. Der Preisunterschied ist klein, aber die Geschmacksverbesserung ist groß.
Selbst berechnen?
In der KitchenNmbrs App geht das mit wenigen Klicks. 7 Tage kostenlos, keine Kreditkarte.
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Häufig gestellte Fragen
Wie viel teurer sind biologische Zutaten im Durchschnitt?
Kann ich schrittweise auf biologisch umsteigen?
Muss ich meine ganze Speisekarte teurer machen?
Wie rechtfertige ich die Preiserhöhung gegenüber Gästen?
Was ist, wenn mein Lebensmittelkostenanteil zu hoch wird?
Gibt es Subventionen für nachhaltige Beschaffung in der Gastronomie?
⚠️ EU-Verordnung 1169/2011 — Allergeninformation — https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2011/1169/oj
Die Allergeninformationen auf dieser Seite basieren auf der EU-Verordnung 1169/2011. Rezepte und Zutaten können je nach Lieferant variieren. Überprüfen Sie stets die aktuellen Allergeninformationen bei Ihrem Lieferanten und kommunizieren Sie diese korrekt an Ihre Gäste. KitchenNmbrs haftet nicht für allergische Reaktionen.
In Deutschland überwacht das BVL die Allergenvorschriften gemäß LMIDV.
Konsultierte Quellen
- EU Verordening 852/2004 — Levensmiddelenhygiëne (2004) — Offizielle Quelle
- EU Verordening 853/2004 — Hygiënevoorschriften voor levensmiddelen van dierlijke oorsprong (2004) — Offizielle Quelle
- EU Verordening 1169/2011 — Voedselinformatie aan consumenten (2011) — Offizielle Quelle
- NVWA — Hygiënecode voor de horeca (2024) — Offizielle Quelle
- NVWA — Allergenen in voedsel (2024) — Offizielle Quelle
- Codex Alimentarius — International Food Standards (2024) — Offizielle Quelle
- FSA — Safer food, better business (HACCP) (2024) — Offizielle Quelle
- BVL — Lebensmittelhygiene (HACCP) (2024) — Offizielle Quelle
BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) — https://www.bvl.bund.de
Die in dieser Anwendung angezeigten HACCP-Normen dienen ausschließlich der Information. KitchenNmbrs garantiert nicht, dass die angezeigten Werte aktuell oder vollständig sind. Konsultieren Sie stets das BVL oder Ihre zuständige Behörde für die neuesten Vorschriften.
Geschrieben von
Jeffrey Smit
Gründer & CEO von KitchenNmbrs
Jeffrey Smit hat KitchenNmbrs aus 8 Jahren praktischer Erfahrung als Küchenmanager bei der 1NUL8 Group in Rotterdam aufgebaut. Seine Mission: jedem Restaurantbesitzer Kontrolle über die Lebensmittelkosten geben.
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